Bonusszene – Robin – Nach der Nacht mit Roux

*SPOILER-GEFAHR* (für alle, die “Begegnung in Red Oak Mountain noch nicht gelesen haben!)

Alles roch nach ihm. Ich roch nach ihm. Jeder verfluchte Teil meines Körpers roch nach Roux Whitton. Wenn ich die Augen schloss, spürte ich ihn noch immer in mir. Ich spürte seine Hände auf meiner Haut, seinem Atem. Ihn.
Ich hatte sein T-Shirt mitgenommen und drückte es mir gegen das Gesicht. Saugte seinen Duft ein. Wieder und wieder und dabei redete ich mir ein, dass alles möglich wäre.
Das er und ich – das das eine Zukunft haben könnte.
»Wo warst du die ganze Nacht?« Emmett stand vor mir. In seinen verwaschen Jeans, den unzähligen Tattoos auf der nackten Brust und der Tasse Kaffee in der Hand. »Und was hast du da?«
Ich stopfte das Shirt in meine Tasche. »Das ist nichts.«
Emmetts Augen musterten mich wachsam, während ich an ihm vorbei in die Küche ging und mir ein Glas Wasser einschüttete.
»Du warst bei ihm.«
Das war keine Frage.
Als ich ihm nicht antwortete, fluchte er. »Verdammt Robin. Ich dachte, du willst dich von ihm fernhalten?«
»Tu ich doch auch!«
Ich konnte Emmetts Vorwürfe nicht gebrauchen. Innerlich verachtete ich mich doch selbst schon genug.
»Sicher…, deshalb stinkst du auch nach ihm.«
Ich wirbelte zu Emmett herum, knallte das Glas auf den Tresen und zischte: »Du verstehst das nicht.«
Roux hatte mich gebraucht. Er hatte diese Nacht gebraucht. Niemand anders hatte ihn gesehen. Heute Nachmittag, als er aus dem Hill gestürmt war … Er war anders gewesen. Überhaupt nicht wie sonst. Dieser abgehetzte, verletzte Blick … Ich hatte nach ihm sehen müssen. Ich hatte gar nicht anders gekonnt. Und als ich vor ihm gestanden hatte, da wollte ich … ich wollte ihm nah sein. Ihm geben, was er brauchte – weil ich es ebenso sehr gebraucht hatte wie er.
»Ich hab mich in ihn verliebt. Ich weiß selbst wie beschissen das ist. Gerade er. Aber was soll ich denn tun?«
Emmett sah mich eine Weile an, dann sagte er schließlich: »Schmeiß den Job hin und lass uns verpissen. Du hast selbst gesagt, dass das nicht anders geht. Also tu es!«
Ja, das hatte ich.
Ich hatte vorgehabt zu gehen, sobald es Len besser ging. Weiterzuziehen. An einen Ort weit weg von hier. Weit weg von Roux Whitton – seinem Leben, das mich einsaugte. Den Gefühlen, die mich vernebelten. Den Träumen und Sehnsüchten, die seine Gegenwart in mir aufblühen ließ.
»Morgen Nat«, murrte Emmett und ging aus der Küche. Aber nicht, ohne sich nochmal zu mir umzudrehen: »Überleg dir, was wichtiger ist. Und dann triff deine verfickte Entscheidung und zwar, bevor alles den Bach runter geht.«
Meine Hände zitterten, während ich erneut nach dem Wasserglas griff.
Nathan runzelte die Stirn. »Ihr wollt weggehen?«
»Klar.« Ich schluckte die Tränen runter und drehte mich so, dass Nathan nicht sah, wie sehr ich dagegen ankämpfen musste, bei dem Gedanken nicht in Tränen auszubrechen..
»Warum?« Seine Hand legte sich auf meine Schulter. »Warum ist das klar?«
Ich wirbelte zu ihm herum. »Weil wir das immer tun, okay?«
Ich musste mich beruhigen. Ich schluckte hart und Nathans Blick wurde weich. Nathan war ein guter Kerl. Vielleicht etwas treudoof und noch immer verliebt in die eine, die er nicht haben konnte. Doch er war ein Freund. Und in diesem Moment wünschte ich, ich könnte es ihm erzählen. Das ganze verdammte Dilemma. Aber wenn ich es tat, wenn ich es ihm erzählen würde, würde er es Roux sagen müssen. Weil er sein Freund war. Und ich konnte nicht riskieren, dass alles den Bach runterging. Emmett hatte recht. Ich wusste, wie recht er hatte.
»Es geht nicht darum, was ich will. Es geht um das, was für uns alle am Besten ist. Es ist nicht so, das du das verstehen musst, aber … Len, Emmett, Trish und ich sind eine Familie. Wir treffen die Entscheidungen zusammen. Wir wissen, was wir brauchen und manchmal ist das eben nicht das, was ein Einzelner will. So läuft das eben.«
»Robin …« Der sanfte Blick in Nathans Augen war zu viel. Die Tränen bahnten sich ihren Weg, liefen meine Wangen hinab. Er öffnete die Arme und ich ließ zu, dass er mich an sich zog. »Es geht immer um das, was wir wollen«, murmelte er. »Weil das immer das ist, was richtig ist. Und Roux und du, ihr seit euch ähnlicher, als du glaubst. Er hat Angst, genau wie du. Denn bisher hat er nie jemanden so nah an sich herangelassen. Du hast seinen Panzer aufgebrochen.«
Und er meinen. Aber was für eine Rolle spielte das? Was für eine Bedeutung hätte das noch, wenn er die Wahrheit erfuhr? Über mich und Len? Über sich selbst? Er würde sie mir wegnehmen. Irgendwann hätte er mich satt. Er würde mich aus seinem Leben schmeißen und ich würde Len an ihn verlieren.
Sie war jetzt schon hin und weg von ihm. Sie redete über ihn. Über die Ähnlichkeiten zwischen sich und wie sehr sie ihn mochte. Sie sah zu Roux auf und irgendwann hätte ich keine Bedeutung mehr in ihrem Leben.
Das ging nicht.
Das ging einfach nicht.
Sie war das einzig Beständige in einem Meer aus Dunkelheit und Scheiße.
Das würde ich nicht aufgeben.
Das konnte ich nicht aufgeben.
Nicht einmal für einen Roux Whitton.

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