Bonusszene – Lenny – Flucht aus Red Oak Mountain

*SPOILER-GEFAHR* (für alle, die “Begegnung in Red Oak Mountain noch nicht gelesen haben!)
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Ich saß in diesem blöden Auto und starrte aus dem Fenster.
»Es ist besser so«, erklärte Emmett zum vierhunderttausendsten Mal, seit wir losgefahren waren. Mittlerweile ging die Sonne hinter dem Horizont auf. Sie kroch über die Felder und alles veränderte sich. »Irgendwann wirst du das verstehen.«
Robin schlief neben mir. Sie hatte sich zu einem Häufchen zusammengerollt. Ich konnte die Überreste der Tränen sehen. Sie hatte geweint. Lautlos. Die ganze Zeit.
Ich verstand immer noch nicht genau, was passiert war.
Seit sie in dieser Jogginghose und dem Hemd in der Wohnung aufgetaucht war, war alles viel zu schnell gegangen. Ihr Make-up war verwischt gewesen und sie war völlig durchnässt vom Regen.
Eine Stunde später waren wir ins Auto gestiegen.
Sie hatte gesagt, Roux würde uns nicht helfen. Genauso, wie Emmett es jetzt immer wieder erzählte. Aber ich glaubte ihnen nicht. Ich hatte in ihren Augen gesehen, dass Roux ihr etwas bedeutete. So hatte sie noch nie jemanden angesehen. Nicht mal Blake.
Trish sah nach hinten. »Gehts dir gut?«, formte sie mit den Lippen. Aber ich gab ihr keine Antwort. Ich wollte mit keinem von ihnen reden.
Über ein Jahr hatte ich nach meinem Bruder gesucht. Ich hatte darauf gewartet, ihn kennenzulernen, und nun kannte ich ihn. Ich mochte ihn. Er war einer der Guten, das wusste ich einfach. Und ich wusste nicht, warum mir das keiner glauben wollte.
Wir hielten an einer Tankstelle in Texas. Fuhren zurück nach Dallas. So, wie wir es besprochen hatten.
Ich zog mein Handy aus der Tasche, linste auf das Display.
Keine Nachricht.
Ich hatte Nathan gebeten, mir neben seiner auch Roux Nummer zu geben. Aber ich hatte mich nicht getraut, ihnen zu schreiben. Was auch?
Als wir endlich in Dallas ankamen, in derselben, stickigen Wohnung von vor ein paar Wochen, fühlte ich mich gefangen. Emmett schien alles schon vorher organisiert zu haben. Selbst einen Job für Robin hatte er bekommen.
Die nächsten Tage wurde alles, wie immer.
Trish, Emmett und Rob gingen arbeiten – entweder war einer von ihnen da oder keiner.
Ich saß in der Wohnung. Auf dem Bett, auf dem speckigen Sofa oder auf dem Boden. Las die unendliche Geschichte und zog das Handy heraus.
Wie seit Tagen tippte ich immer wieder dieselben Worte.
Ich bin deine Schwester.
Du bist mein Bruder, Roux.
Wir haben denselben Vater.
Aber ich tat es nicht. Weil ich es Robin versprochen hatte.
Aber warum eigentlich? Was war, wenn sie diesmal falsch lag? Wenn sie falsch liegen wollte, weil sie zuviel Angst hatte, um etwas anderes zuzulassen?

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